Die Auswirkungen der Politik in England und „Deutschland“ auf die Industrialisierung

Dynamisches England, verschlafenes Deutschland

Anna Riga, Konstanze Zimmermann
Michelle Zender, Ruth Baumann

Gliederung:

  1. Einleitung
  2. Die Industrialisierung in England und Deutschland im Vergleich
  3. Fazit

1. Einleitung

Die Industrialisierung ist als eine technisch-mechanische Entwicklung zu verstehen, die den Umschwung von einer von Agrarwirtschaft geprägten Nation zu einer von Maschinen dominierten Industrienation beschreibt.
Durch verschiedene Ausgangssituationen und unterschiedliche Bedingung und Veränderungen im Laufe der Geschichte eines Landes, tritt dieser Prozess in den verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vergleich zwischen dem Vorzeigeland der Industrialisierung England und dem „Nachzügler“ Deutschland, denn zwischen den beiden industriellen Revolutionen liegen fast 100 Jahre.

2.1 Die Industrielle Revolution in England:

Hauptursachen der Industrialisierung in England

Ihren Anfang fand die industrielle Revolution etwa um das Jahr 1770 in England, welches daher auch oft als „Mutterland“ der Industrialisierung bezeichnet wird.
Die Hauptursachen umfassen tiefgreifende Fortschritte im technischen Bereich, wie etwa die Erfindung von Spinn- und Webmaschinen, dank derer ganze Produktionsschritte mechanisiert werden konnten. Durch die Entwicklung von Dampflokomotiven und den Ausbau des Eisenbahnnetzwerkes kam es in England schon vergleichsweise früh zu einer gut ausgebildeten Infrastruktur, die maßgeblich zum Transport von Gütern wie etwa Wolle beitrug und so die Anfertigungen in den Fabriken begünstigte.
Eine weitere große Rolle spielten hierbei auch die Kolonien Englands, aus welchen große Mengen an Rohstoffen wie Erz, Kohle, aber auch Baumwolle importiert wurden. So kam es zu einer Intensivierung der Textilindustrie, die im gesamten Land zu einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung führte.

Durch diesen gab es im 18. Jahrhundert in England zunächst im Vergleich zu den restlichen Teilen Europas relativ wenige Hungersnöte und es kam zu einem Überangebot an Arbeit in den Städten, sodass zahlreiche Menschen vom Land fortzogen.

Gesellschaftliche Situation

Viele Bauern konnten ihre Familien nicht länger mit der Arbeit auf dem Feld ernähren, da die Konkurrenzfähigkeit der Fabriken durch Billig- und Massenproduktion zu groß geworden war. Infolgedessen waren sie dazu gezwungen, ihre landwirtschaftliche Existenz aufzugeben und in den schnell anwachsenden Städten nach Arbeit zu suchen, wo die meisten von ihnen Beschäftigung in den Textilfabriken fanden und dort unter sehr harten Bedingungen bis zu 18 Stunden am Tag arbeiteten.

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Politische Lage in England

Der politische Einfluss auf die Industrialisierung umfasst verschiedene Bereiche und verschiedene politische Handlungen haben den Ablauf der Industrialisierung in England begünstigt, so etwa die Abschaffung der Heiratsverbote, die zum Teil Ursache für das Bevölkerungswachstum, das für die Entwicklung der englischen Industriellen Revolution essentiell war, war.

Aber auch die frühkapitalistische Prägung die England seit Heinrich dem 8. erfahren hatte, waren ausschlaggebend für das Ausbrechen der industriellen Revolution, da diese unter anderem dafür verantwortlich für die Existenz vieler Arbeitsloser auf dem Land war. Diese Armut in den ländlichen Regionen führte dazu, dass viele in die Städte zogen, was wiederum positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation hatte, da dieser Zuzug zum entstehen der Arbeiterklasse, des Proleteriats führte. Diese war nötig um der ständigen Nachfrage auf dem Markt gerecht zu werden. Ein weiterer Aspekt ist die Beeinflussung Großbritanniens auf globaler Ebene, da England sich schon früh zur Großmacht und später im Zuge der Kolonialisierung seine Hegemonialstellung auf den Seemeeren behauptete.

Diese Außenpolitik führte dazu, dass das Land einen großen Einflussbereich hatte, der wiederum den Überseehandel und folglich die wirtschaftliche Lage verbesserte. Dieser Überseehandel ermöglichte das Entstehen eines Massenmarktes, welcher nach den Grundsätzen der Regelung des Marktes durch Nachfrage, verantwortlich für die fortwährende Ausbreitung der Industrialisierung und späteren Globalisierung war.

Eine Besonderheit die England von anderen europäischen Staaten zum damaligen Zeitpunkt unterscheidet ist die Historie Englands selbst, in deren Verlauf es vergleichweise früh zur Einschränkung der Macht des Königs kam. Dieser fortschrittliche, aber auch die vorhergegangenen religiösen Konflikte, welche auf die Entstehung der Church of England zurückzuführen sind, führten dazu, dass aufgrund der Bürgerkriege, eine rationale Weltanschauung ihre Ausbreitung fand, was zu einem fortschrittlichen Denken in der Wissenschaft und Technik führte, welches Grundlage für die Vormachtstellung England als „Mutter der Industrialisierung“ war. Die Rolle des Staates in dieser Entwicklung war beträchtlich, da technischer Fortschritt große Förderung beispielsweise im Ausbau des englischen Eisenbahnnetzes erfuhr.

Das stabile Herrschaftssystem Großbritanniens im 19. und 20. Jahrhundert, das durch Kolonialherrschaft geprägt wurde und die Veränderungen auf sozialer Ebene, die für politischen Wandel Voraussetzung waren, waren Wegbereiter der englischen Industrialisierung und haben somit den Fortgang der Geschichte und Weiterentwicklung maßgeblich beeinflusst. Abschließend lässt sich allerdings auch feststellen, dass politischer Wandel unter anderem eine Konsequenz aus gesellschaftlichen Umschwung ist.

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2.2Die Industrielle Revolution in „Deutschland“:

Die Herrschaftsstrukturen in Deutschland im 19. Jahrhundert

Um 1800 ist der Nationalstaat Deutschland noch in weiter Ferne und der „Flickenteppich“, bestehend aus vielen kleinen Staaten, wird in seperat von den Fürsten regiert.
Die wirtschaftliche Expansion Deutschlands ist gehemmt durch :

  • Vielzahl von Zollschranken
  • abweichendeMaß-,Münz-,und Gewichtssysteme
  • Handelsmonopole
  • schlechte Infrastruktur
  • starke Abhängigkeit bäuerlicher
    Bevölkerung von Gutsherren

    Hinzu kommt noch eine Behinderung einer Enstehung von Massenkaufkraft durch:

  • feudale Abgaben
  • staatliche Steuern
  • große Unterschiede bei Verteilungen des Wohlstandes

 Der Einfluss Frankreichs durch Napoleon zeigt sich 1803  im Reichsdeputations-
hauptbschluss, welcher Deutschland territorial vereinfachte.

Im Jahre 1806 wird den deutschen Großmächten Preußen und Österreich der Rheinbund unter fanzösischem Protektorat entgegengestellt.
Nach Napoleons Sturz wird 1815 der Deutsche Bund gegründet, eine weitreichende Revolution gegen die Fürstenherrschaft und die Liberalisierung ist jedoch nicht in Sicht. An der Vormärzbewegung zeigt sich, das Reformen zur Modernisierung und Liberalisierung zwar teilweise vom Volk ausgehen, größtenteils jedoch (besonders in Preußen) von oben kamen.
Die preußischen Reformen sind :

  • Beseitigung der Hemmschwellen für dynamische Industriewirtschaft im Verlauf des 19. Jahrhunderts
  • 1810-1820: Wiederaufbau nach Niederlage gegen Napoleon , Orientierung am englischen Vorbild & der „Bibel des Kapitalismus“ & „The wealth of Nations“
  • Schaffung von Bedingungen für die Entstehung freier Arbeits-, Kapital- und Bodenmärkte
    Oktoberedikt 1807 : politisches Manifest mit national-ökonomischem Programm, mobile Marktgesellschaft löst gebundene Ständegesellschaft ab
    Erlass der Gewerbefreiheit 1810 : Ablösung sozialer Abhängigkeitsverhältnisse
  • Ausbau der Infrastruktur
  • Abschaffung von Zollschranken Binnenmarkt

Diese preußischen Reformen schaffen eine Grundlage für den „take off“ der industriellen Revolution in Deutschland 1830-1837, nachdem diese ca. 1815 bereits angeklungen war. Dem „take off“ vorausgegangen sind :

  •  Gründung des Zollvereins 1834
  • Gründung von staatlichen Gewerbeschulen und Akademien

Auch die 1848er- Revolution und die „kleindeutsche Lösung“ zeigen keine starken revolutionären Tendenzen Deutschlands. Die Deutsche Gesellschaftsstruktur ist nicht so offen wie die Englische, weshalb die starren Standesschranken und die konservative Grundeinstellung ein innovatives Denken und Handeln hemmen
.
Um 1870-1914 kommt es zur Hochindustrialisierung zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches (1871-1918). In den Gründerjahren des Reiches zeigte sich vor allem Otto von Bismarck als der 1. deutsche Kanzler für die industrielle Revolution als wichtige Person, da durch ihn die liberale Phase mit vielen innenpolitischen Reformen die Türen für die Industriewirtschaft und die Hochindustrialisierung geöffnet wird.
Otto von Bismarcks Zeit folgt das Wilhelminische Zeitalter, welches von Staatsinterventionismus des Kaisers Wilhelm II geprägt ist, der Deutschland zu einer Weltmacht errichten will.

3.Fazit: Dass die industrielle Revolution in Deutschland 100 Jahre später erfolgte als in England, ist zusammenhängend mit den politischen Strukturen. Zur Zeit der Englischen Industrialisierung ist „Deutschland “ noch ein nicht erahnbares Konzept aus extrem vielen Kleinstaaten, die alle unter der Führung der absolutistischen Fürsten standen, deren Regentschaft zwischen Deutschland und einer industriellen Wirtschaft standen. Der Mangel an revolutionärem Feuer und Erfolg der Revolutionsversuche ( 1848) sorgt dafür, dass die Ständegesellschaft und die Grenzen dieses Systems weiterhin eine Abhängigkeit schaffen, die die Industrialisierung behindert. Erst durch die preußischen Reformen um 1800 zeigen sich erste Annäherungen an eine Industriegesellschaft, doch bis zum tatsächlichen „take off“ 1830 mussten noch einige Grenzen aufgehoben werden, ab dann jedoch zeigte sich Deutschlands rasante Entwicklung als eines der größten Industrieländer der Welt.

Quellen

Bilder:

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